Wenn Vertrauen teuer wird - Wirtschaftskriminalität
- Viktoria Mazurs-Sawall
- vor 42 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Was ich von einem Detektiv lernte
Gestohlene Ware, die von fremden LKW abgeholt wird, Mitarbeitende, die wochenlang krankgeschrieben sind und parallel einem Zweitjob nachgehen, oder eine Frau, die einem Liebesbetrüger hohe Summen überweist. All das sind reale Fälle, die ein Wirtschaftsdetektiv aufklären kann.
Gestern Mittag war ich in der wunderschönen Villa Bonn in Frankfurt am Main bei einem NetLunch des Wirtschaftsclubs Rhein-Main zu Gast und habe dem Vortrag von Oliver Peth gelauscht. Sein Thema: Wirtschaftskriminalität, Täterprofile, Manipulation, verdeckte Interessenkonflikte und die Frage, wie Unternehmer lernen können, zwischen Bauchgefühl, Verdacht und belastbaren Beweisen zu unterscheiden.

Besonders spannend fand ich, dass die heutige Ermittlungsarbeit nur noch wenig mit alten Kriminalfilmen zu tun hat. Vieles läuft digital. Über OSINT, also Open Source Intelligence, können mit öffentlich zugänglichen Informationen im Internet erstaunlich viele Zusammenhänge sichtbar gemacht werden.
Herr Peth vertritt die Haltung:
“Wahrheit kennt keine Grenzen”
, die Arbeitsweisen hingegen schon. Gerade an Ländergrenzen werden Ermittlungen komplizierter, langsamer und sind auf internationale Netzwerke aus Detekteien, Behörden und Anwälten angewiesen. Stunden können hier bereits den Unterschied machen. Spannend fand ich auch zu erfahren, dass der Beruf des Detektivs in Deutschland bis heute nicht zertifiziert ist, was die Zusammenarbeit mit Behörden teilweise erschwert und Zeit kostet. Oft braucht es erst Anwälte, die gegenüber Behörden die Relevanz und Professionalität privater Ermittler unterstreichen. Gleichzeitig leisten Detekteien häufig ein Maß an Schnelligkeit, Flexibilität und Detailarbeit, das staatliche Stellen in dieser Form oft gar nicht abbilden können. So nutzen z.B. Strafverteidiger die hohen Aktenstapel der Staatsanwälte aus, “Datenschutz wird zum Täterschutz” so Peth.
Ich fragte Herrn Peth, woran Unternehmer meist zuerst merken, dass etwas nicht stimmt, noch bevor sie Beweise haben. Seine Antwort war, dass entweder interne Personen oder Whistleblower Auffälligkeiten schildern oder dass da einfach dieses eigene Bauchgefühl ist, dieses komische Gefühl, dass etwas unstimmig ist. Genau dieser Punkt hat mich besonders berührt. Denn wie oft merken wir Menschen eigentlich schon längst, dass etwas nicht stimmt, und reden es uns dann doch schön, weil wir niemandem etwas unterstellen wollen oder Angst haben, falsch zu liegen?
Während ich Herrn Peth zuhörte, wurde mir klar, dass auch er letztlich ein Vermittler ist, allerdings zwischen Verdacht und Wahrheit, zwischen Gefühl und Beweis. Während ich eher zwischen Menschen, Kulturen und inneren Welten vermittle, vermittelt er zwischen Fakten, Motiven und Handlungen.
Wir beide haben auf unterschiedliche Weise mit dem zu tun, was unausgesprochen bleibt, was verborgen ist und was Menschen nicht direkt sagen. Seine Arbeit zeigte mir auch die Schattenseite von Vermittlung: Vertrauen kann missbraucht kann, dass Menschen manipulieren. Genau deshalb braucht Vermittlung für mich immer Moral, Menschenkenntnis und eine gesunde Portion Skepsis.
Ich fragte ihn auch, wie er selbst innerlich klar bleibt, wenn er täglich mit Täuschung, Misstrauen und Manipulation zu tun hat. Seine Antwort war erstaunlich einfach: Sport, Natur und Familie. Und genau diese Antwort mochte ich so sehr, weil sie mich daran erinnert hat, dass wir Menschen, gerade wenn wir beruflich viel Dunkles, Schweres oder Kompliziertes oder Geheimes sehen, einen bewussten Gegenpol brauchen. Etwas, das uns zurückbringt ins Schöne.
Besonders hängen geblieben ist mir seine Haltung, dass Gerechtigkeit nicht bei einem Verdacht stehen bleiben darf. Es braucht Beweise, die vor Gericht Bestand haben. Und es braucht Verantwortung gegenüber der Wahrheit und den Betroffenen.
Praktischer Tipp zum Schluss
Ein praktischer Tipp zum Schluss,den ich sehr wertvoll fand: Gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz, gefälschten Stimmen und Identitäten können vorher vereinbarte Codephrase innerhalb der Familie oder im Unternehmen helfen, sich gegenseitig zu verifizieren. Wenn die vermeintliche Enkelin anruft oder ein Geschäftspartner plötzlich dringend Geld braucht, kann ein vorher vereinbartes Codewort, oder besser Codephrase, Klarheit schaffen. Manche der einfachsten Lösungen sind am Ende die stärksten.
Und während ich all das hörte, spürte ich einmal mehr, wie wichtig es ist, sich nicht dauerhaft nur mit Misstrauen, Kontrolle und den dunklen Seiten der Welt zu beschäftigen, sondern dem etwas entgegenzusetzen, das stärkt, verbindet und erinnert. Ich wünsche Herrn Peth und allen Menschen, die in solchen Feldern arbeiten, genügend Ruhe, Natur, Familie und innere Kraft, um sich selbst dabei zu halten und dennoch den Blick für das Schöne zu wahren!
Gerade habe ich mir etwas Ruhe, Erdung und Zeit für meine Familie geschaffen, da schon bald die Geburt meines zweiten Kindes ansteht und mein Körper sowie Geist diese benötigen.
Zusätzlich merke ich, dass ich nach der Geburt meines zweiten Kindes Schritt für Schritt wieder sichtbarer werden möchte. Und das kann ich kaum abwarten!
In diesem Sinne alles Gute!
Zur Webseite der Detektei:
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